Rückblick – LEERgang II der Kongress zum Leerstandsmelder.de

 

Foto: Andreas Rüther

Foto: Andreas Rüther

An drei Tagen trafen sich Initiativen aus ganz Deutschland, um sich stärker zu vernetzen und die Leerstandsmelder.de-Plattform weiterzuentwickeln. Gastgeber diesmal war BonnBunt, die Initiative für Freiraum aus Bonn.

Auftakt der Veranstaltung waren Vorträge von Sarah Osswald (Leerstandsmelder Berlin) und Matthias Röder (Werk.Stadt.Laden Dresden) am Freitagabend. Am Samstag beleuchtete Francesca Pick (OuiShare) das Thema Community Building, welches als Input-Referat diente um Vorschläge zum Ausbau einer kollaborativen Web-Community, rund um den Leerstandsmelder.de diente. Anschließend gab Michael Ziel (Gründer des Leerstandsmelder) einen Rückblick auf den LEERgang I, der im Hamburger Gängeviertel stattfand.

Bevor die arbeitsintensive Phase am Samstagnachmittag begann, hielt die Moderatorin Lena Hummel (Stadtgeografin) die Ergebnisse des ersten LEERgangs in Form eines grafischen Protokolls fest. Dieses wurde bis zum Ende der Veranstaltung um den Verlauf und die Ergebnisse des zweiten LEERgangs erweitert. Die Workshops, die am Samstag und Sonntag stattfanden waren in Form des Open Space organisiert und befassten sich mit den Themen Finanzierung, Leitfaden für potenzielle Leerstandserfasser, einer möglichen Vereinsgründung, Community-Building sowie der API die kürzlich fertiggestellt wurde. Über diese API ist es nun möglich, Daten des Leerstandsmelders Entwicklern zugänglich zu machen – zu „öffnen“ – damit diese Anwendungen auf BAsis dieser Daten erstellen können. Am Sonntag stellten die Arbeitsgruppen ihre Arbeit vor. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden ausgewertet und konkrete Entscheidungen über die nächsten Schritte gefällt.

„Die Geschichte des Leerstandsmelders“ von Sarah Osswald (Initiative Open Berlin)

Einen Abriss über den Werdegang des Leerstandsmelders seit seiner Entstehung im Jahr 2010 präsentierte Sarah Osswald von der ZwischenZeitZentrale aus Bremen am Freitagabend. Anschließend berichtete sie aus der Praxis des Berliner Leerstandsmelders.

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• Wer waren die Mitbegründer?
Kristina und Michael (am Anfang auch mit Unterstützung von René, Franziska und Teresa aus dem Gängeviertel sowie immer mal wieder mit neuen temporären Unterstützern)

• Wie kam es zur Idee?
Situation in Hamburg: Wohnraum / soziale Freiräume immer knapper, gleichzeitig über 1,4 Mio qm Büroleerstand, aber auch viele private und städtische Altbauten leer
Idee selbst lag irgendwie in der Luft, ich habe für mich selbst immer schon Leerstände gesammelt aber gedacht, dass man das über das Netz doch noch viel systematischer machen könnte – mein Hintergrund v.a. Denkmalschutz, Michael eher soziale und kulturelle Freiräume / Erfahrung Bremer Zwischennutzungsagentur ZZZ

• Was wurde bei der Umsetzung gebraucht?
Erstmal Vorstudien (Userszenarien aus Michaels stadtplanerischer Studienarbeit)
Dann das Konzept (Ziele, Inhalte, Image / Ansprache, Aufbau…)
Sobald es um die konkrete technische Umsetzung ging die Hamburger Programmierer-Firma Ubilabs, die Erfahrung mit vergleichbaren kartenbasierten Seiten hat und uns günstig unterstützt hat
Verein Gängeviertel e.V. als Träger
Juristische Beratung (ehrenamtlich) durch Jens Brelle, insbesondere für das Erstellen der AGB`s und später der Verträge für andere Städte
Soli-Parties mithilfe des Gängeviertels zur Finanzierung der Programmierung

• Wie hat es sich entwickelt? User-Zahlen in Hamburg?
ca. 2500 angemeldete User insgesamt (einzelne Städte nicht rauszurechnen)
Leerstände in Hamburg aktuell 779, allerdings davon schon einiges abgerissen (-> grau markiert)

Aktuell schon dabei (in Reihenfolge der Erweiterungen):

  1. Hamburg
  2. Frankfurt
  3. Bremen
  4. Kaiserslautern
  5. Berlin
  6. Görlitz
  7. Dortmund
  8. Wien
  9. Tübingen-Reutlingen
  10. Bonn
  11. Giessen
  12. Nürnberg
  13. Region Basel
  14. Rostock
  15. Münster
  16. Köln
  17. Wuppertal
  18. Salzburg
  19. Stuttgart ist gerade noch mit dazu gekommen.
  20. Chemnitz folgt die Tage.

• Was hat die Gründung des Melders bewirkt?
Schwer konkret festzumachen;
in erster Linie politische Debatte
Anlässe zur Berichterstattung für die Presse
Leerstandsmelder-Vertreter werden gerne als Experten zum Thema zitiert

Einzelfälle:
Künstler hat darüber seinen Raum gefunden
Städtisches Wohnungsbau-Unternehmen hat deswegen früher angefangen zu sanieren („das steht jetzt schon auf dem Leerstandsmelder..“)

• Was ist eure weitere Vision?
Expansion: bundesweit flächendeckend vertreten zu sein (noch viel mehr im Osten!), im gesamten deutschsprachigen Raum (jüngste Neuzugänge außerhalb Deutschlands: Salzburg, bald auch Luxemburg), später gerne auch auf der ganzen Welt!
Noch viel größere Bekanntheit innerhalb der breiten Öffentlichkeit
Noch viel mehr konkrete Aktionen anstoßen
Vor allem aber: Verdichtung / Wissensaustausch des Netzwerkes von Initiativen
-> konkret durch Kongresse wie dieser, ggf. Manifeste

Werk.Stadt.Laden aus Dresden: “Stadt als offene Werkstatt” von Matthias Röder

Matthias, Initiator des Werk.Stadt.Laden aus Dresden, stellte die Entstehungsgründe, Werdegang, Schwierigkeiten und aktuelle Projekte dieser Initiative vor. Erfolgreiche Unternehmungen wie die Projekte Löbtopia – Stadtumbau von unten, Sichtbetong oder die Holzwerkstatt in Dresden, wurden ebenso duskutiert wie gescheiterte Projekte z.B. „Licht an in der Lampenfabrik“. Quintessens aus Röders Input war: „Machen. Scheitern. Machen. Erfolghaben. Machen.“ Ohne Möglichkeit des sanften Scheiterns könnten keine kreativen Projekte entstehen. Es braucht Experimente, Probebauten und unkonventionelle Praktiken. Diese beinhalten stets ein Potenzial des Misslingens. Wichtig sei hier der Lernprozess und der ehrliche Umgang mit den eigenen Vorhaben.

Präsentation „Stadt als offene Werkstatt“

„Community Building leicht gemacht?“ von Francesca Pick (Ouishare.net)

Wie baue ich eine Community auf und wie begeistere ich Menschen daran teilzuhaben? Anhand dieser Fragen stellt Francesca Pick das globale Non-Profit Netzwerk Ouishare vor, dessen Ziel eine Gesellschaft mit den Werten Offenheit, Teilen und Zusammenarbeit ist und das für eine kollaborativ ausgerichtete Wirtschaft eintritt.

Ouishare entwickelte sich von einem Blog zu einer Facebookgruppe; der Wendepunkt und damit der Beginn von Ouishare, wie es heute ist, war die Namensgebung, die den Zusammenschluss verschiedener Gruppen zu diesem (ungeplanten) Netzwerk bedeutete. Lösung vieler Kommunikationsprobleme des Netzwerks geschah durch die Einführung von Trello.com als Organisationstool. Der wichtigste Aspekt für den Erfolg von Ouishare ist die Balance zwischen online und offline Kontakt der Projektpartner: „MPIRL“ bzw. „Meet people in real life“. So entsteht ein Gemeinschaftsgefühl und soziale Nähe ohne einen gemeinsamen Ort.

Im Rahmen des Vortrages wurde die zeitliche Verfügbarkeit der Teilnehmer geprüft und gefragt welche Kapazitäten sie haben, um sich am Leerstandsmelder aktiv zu beteiligen. Die Analyse zeigte, dass ein erfolgreiches Projekt viele unterschiedliche Bedürfnisse bedienen muss. Francesca erachtet folgende Punkte für eine erfolgreiche Projektarbeit als besonders wichtig: Sinnstiftung, Wertschätzung und Zugehörigkeit, Empowerment und Verantwortung, niedrige Einstiegs- und Ausstiegsbarrieren, kleine Arbeitspakete und das „richtige“ Team.

Präsentation „Community Building leicht gemacht?“

Impressionen vom LEERgang

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